Schafkopf für Freunde

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Tratsch: Schafkopfkultur: Lokale Regelwerke

Liebe Schafkopfgemeinde,

es ist ein hinlänglich bekanntes Phänomen, dass es in den Tiefen und Weiten der Schafkopfgalaxie unabhängig von den Standardregeln eine unglaubliche Vielfalt an Regional- und Lokalregelwerken gibt, die in verschiedenen Freds dieses Forums immer wieder aufblitzen („also, i kenns so, dass…“).

Wer wie ich ein Interesse an Regelkunde und Schafkopfkultur hat, möge sich eingeladen fühlen, in diesem Fred vielleicht einige Lokalregelwerke vorzustellen, zu sammeln, zu diskutieren, etc.

Ich würde mich logischerweise berufen fühlen, „meine“ lokalen Regeln vorzustellen, wie sie im idyllischen unterfränkischen Langendorf an der fränkischen Saale (Landkreis Bad Kissingen) gepflegt werden.

Weil ich ein (zugegeben etwas verschrobenes) Faible für Ordnungsysteme habe, schlage ich vor, die Lokalregelwerke mit einer Buchstabenkombination aus Landkreiskürzel (Autokennzeichen) + vierstelliges Orts- bzw. Stadtteilkürzel zu definieren (hilfreich für etwaige Diskussionen); meine Langendorfer Regeln
wären dann z.B. KG-LADO. Ich fang ä ma gleich o:

Regelwerk Langendorf, Landkreis Bad Kissingen (Unterfranken) – KG-LADO

I. SPIELVARIANTEN:

1. Rufspiel (nach Standardregeln)

2. Wenz / Wenz Tout (nach Standardregeln)

3. Geier / Geier Tout (analog Wenz Standardregeln,
nur Ober Trumpf, Unter reihen sich ein)

3. Bettel (Spieler darf KEINEN Stich machen,
quasi ein „Solo Rien“)

4. Aufgelegter Bettel (wie Bettel, jedoch muss
Spieler seine Karten nach dem ersten Stich für alle sichtbar auf den Tisch legen)

5. Farb-Solo / Farb-Solo Tout (nach Standardregeln)

6. Ramsch (automatisch, wenn alle „weg“ oder „weiter“ sind; der Spieler mit den meisten Punkten verliert)

7. Kreuzrunde (automatisch nach jedem Solo, die
sich „über Kreuz“ gegenübersitzenden Spieler spielen für vier Spiele fest zusammen, es können in der Kreuzrunde keine anderen Spiele angesagt werden)

(Jösses, des wird schon ohne andere Mitwirkende
a langer Fred)

KG-LADO
II. SPIELHIERARCHIE BEIM ANSAGEN
(aufsteigend 2 geht über 1, 3 über 2, etc.)

1. Rufspiel
2. Wenz / Geier (gleichwertig)
3. Bettel
4. Farb-Solo
5. Wenz Tout / Geier Tout (gleichwertig)
6. Aufgelegter Bettel
7. Farb-Solo Tout

P.S. Bearbeitete Version auf Hinweis von faxefaxe und jozi: W/G Tout war in Ursprungsfassung falsch auf Position 4, Farb-Solo falsch auf 5 eingereiht. Mea Culpa maxima.

Das ist ja ne komische Reihung.

KG-LADO
III. SPIELERMITTLUNG

Es wird in Uhrzeigersinn angesagt, Spieler 1 sitzt also links neben Geber. Mit „ich spiel“ wird mindestens ein Rufspiel angesagt. Hat ein Spieler an einer jeweils hinteren Position auch ein Spiel, kündigt er das mit „ich auch“ (o.ä.) an.

Bei gleichwertigen Spielen hat der jeweils weiter vorne sitzende Ansager Spielrecht. Bei „ich auch“ muss der jeweils weiter hinten sitzende Spieler zuerst das Spiel benennen, bei Ansage eines Farbsolos muss er die Trumpffarbe zunächst nicht preisgeben.

Der weiter vorne sitzende Spieler kann nun entscheiden, ob er sein gleich- oder höherwertiges Spiel nun ansagt oder ob er „weiter“ sagt. Sagt er ein gleich- oder höherwertiges Spiel an, kann nun der weiter hinten sitzende Ansager erneut die Spielvariante erhöhen oder „weiter“ sagen und so weiter...

Ein konstruiertes Beispiel:
S1: „Ich spiel.“
S2: „Weiter“
S3: „Ich auch“
S4: „Weiter“
S3: „Geier“
S1: „Bettel“
S3: „Solo“
S1: „Ich leg mich“ (=Aufgelegter Bettel)
S3: „Solo Tout, Herz sticht“.

Analog würde verfahren, wenn gar drei Spieler spielen wollen.

Sagen alle vier Spieler „weiter“, wird Ramsch
gespielt.

KG-LADO
IV. GEWONNEN / VERLOREN / SCHNEIDER / SCHWARZ

Gewonnen ist ein Spiel grundsätzlich, wenn der/die Spieler mindestens 61 Punkte erreicht/en.

Ein TOUT-Spiel ist gewonnen, wenn der Spieler alle Stiche macht.

Ein (aufgelegter) BETTEL ist gewonnen, wenn der Spieler keinen Stich macht.

Beim RAMSCH verliert der Spieler mit der höchsten Punktzahl. Ein UNANGESAGTER Durchbruch
ist beim Ramsch mit dem Erreichen von 101 Punkten gewonnen, ein ANGESAGTER Durchbruch (Ansage „Durchbruch“ beim Einbringen der Karte im dritten Stich) mit dem Erreichen von 91 Punkten.

In der KREUZRUNDE gewinnt die Partei mit 61 Punkten, bei 60:60 wird das Spiel als unentschieden gewertet (also keiner zahlt), es sei denn, es wurde geschossen: Dann verliert bei 60:60 die Partei, die zuletzt geschossen hat.

SCHNEIDER ist (skurrilerweise) auf 30 Punkte abwärts definiert, d.h. man muss immer 31
Punkte erreichen, um schneiderfrei zu werden, unabhängig vom Status als Spieler oder Gegenspieler (fand ich auch schon immer unlogisch, aber is halt so - da gefällt mir die Standardregelung wie hier im Sauspiel praktiziert auch besser).

SCHWARZ ist eine Spielpartei, wenn sie keinen
Stich macht (d.h. ein Stich mit null Punkten ist schneider).

KG-LADO
V. SPIELWERTUNG

Grundpreise:
5 Ct Rufspiel, Kreuzspiel, Ramschspiel
15 Ct Wenz, Geier, Bettel, Farbsolo
15 Ct + ZUSATZDOPPLER (schwarz nicht gewertet) – Alle Tout-Spiele (Wenz/Geier/Solo)
30 Ct – Aufgelegter Bettel

Schneider /Schwarz:
+5 Ct Schneider
+10 Ct Schwarz

Läufer:
5 Ct pro Läufer,
minimal 3 bis maximal 8 Laufende;
bei Wenz/Geier grundsätzlich auch
erst ab DREI Laufenden.

Spielpreisermittlung:
Spielpreis =
Grundpreis
+ ggf. Schneider/Schwarz
+ ggf. Läufer
x Dopplerreihe (je nach Dopplerzahl)

Beim (aufgelegten) Bettel werden weder Läufer noch schneider/schwarz gewertet.

Beim Ramsch werden Läufer nicht berechnet.

Alle Doppler / Schüsse / Gegenschüsse werden
IMMER eingerechnet, d.h. auch kein Streichen der Doppler beim Ramsch.

Also, Fünferl kommen bei uns nirgendwo auf den Tisch :-)

KG – LADO
VI. DOPPLER, KONTRA & RETOUR

DOPPELN / LEGEN
Jeder Spieler darf nach Ansicht der ersten Hand einen Doppler legen. Mit Aufheben der zweiten Hand wird angezeigt, dass man nicht doppelt. Dabei darf (aber muss nicht) jeder Spieler abwarten, bis der jeweilige Vordermann aufgehoben oder gelegt hat.

HAUSBOCK
Wenn keiner der Spieler legt, wird zusammengeworfen und der nächste Spieler gibt ein neues Spiel. In diesem neuen Spiel liegt automatisch ein sogenannter „Hausbock“ oder auch „Hausdoppler“. Wird in diesem neuen Spiel erneut nicht von mindestens einem Spieler gelegt, gibt es einen weiteren Hausbock und so weiter. Die so möglicherweise angesammelten Hausböcke werden allerdings nicht in einem Spiel, sondern nacheinander ausgespielt, d.h. pro Spiel maximal ein Hausbock.

KONTRA / RETOUR
Auf jedes Spiel darf „geschossen“ werden. Einer der jeweiligen Gegenspieler darf bis zum Einbringen seiner Karte im ersten Stich einen Schuss (=Kontra, Spritzn, etc.) geben. Einer der Spieler (im Ruf) oder der jeweilige Spieler darf wiederum bis zum Einbringen seiner Karte im zweiten Stich einen Gegenschuss geben. Die Gegenspieler hätten nun wieder entsprechend Zeit bis zum 3. Stich, um erneut zurückzuschießen, der Spieler dann wieder entsprechend bis zum 4. Stich usw., so dass abwechselnd pro Spiel maximal 8 Schüsse gegeben werden können.

MAXIMALE DOPPLERREIHE
Jeder Schuss/Gegenschuss zählt als weiterer Doppler für die Spielwertung, so dass theoretisch maximal 15 Doppler pro Spiel liegen können (den selbstredenden Tout-Doppler mal nicht berücksichtigt, dann wärens genaugenommen 16 – aber da „liegt“ ja nix, der Doppler kommt ja per Spielansage rein), d.h. 1 Hausbock, 4 Leger, 8 Schüsse – was allerdings reine Theorie ist, hätt ich noch nie erlebt ;-)


SONDERREGELUNGEN:
RAMSCH: Jeder Spieler darf schießen, allerdings gibt’s hier keine Gegenschüsse (weil ja niemand Spieler ist).

KREUZRUNDEN: Es gibt keine Hausböcke. Doppelt kein Spieler, wird zusammengeworfen und das Spiel wiederholt, d.h. der selbe Geber gibt das Spiel erneut, so lange, bis ein Doppler gelegt wird.

faxefaxe: siehe KG-LADO VI.: aufgrund der Dopplerregelung, kostet jedes Spiel automatisch mindestens 10 Ct :D

KG – LADO
VII. SONSTIGES

VII.1 GEBEN
Nach dem Mischen hebt der Spieler vor dem Geber mindestens drei, maximal 29 Karten ab, der Geber legt den verbleibenden Stapel auf den abgehobenen. Mit diesem Stapel teilt der Geber nun im Uhrzeigersinn in zwei Geberunden jeweils vier Karten an die Spieler aus (erste Hand für alle Spieler, dann zweite Hand für alle Spieler).

Alternativ kann der Spieler vor dem Geber statt des Abhebens einmal auf den Stapel klopfen, dann werden im Uhrzeigersinn in einer Geberunde jeweils 2 x vier Karten aus, so dass der Spieler der raus ist, die ersten acht vom Stapel aufgeteilt auf zwei Hände bekommt, dann erst der Spieler an 2 die zweiten acht vom Stapel und so weiter.

Klopft der Abheber zweimal auf den Stapel, wird ebenfalls in Achterreihen ausgeteilt, allerdings gegen den Uhrzeigersinn (d.h. die ersten acht gehen an den Abheber). Die letzten acht bleiben beim Klopfen so oder so beim Geber. Die Dopplerregeln bleiben (vgl. KG-LADO VI.) bleiben davon unberührt, d.h. es ist auch streng darauf zu achten, welche von den acht Karten nun die erste und welche die zweite Hand ist (weil ausschließlich auf die erste Hand gedoppelt wird).

VII.2 TRUMPFREGEL BEIM BETTEL
Beim (aufgelegten) Bettel bleiben Ober, Unter und Herz Trumpf. Das ist erwähnenspflichtig, weils auch Gegenden und merkwürdige Orte ;-) gibt, wo beim Bettel Herz normale Farbe ist und sich Ober und Unter in die Farben einreihen (d.h. es wird nur mit Farben ohne Trumpf gespielt, ja so ein Kaas).

VII.3 PREISGRENZEN
Es hat sich in Langendorf eingebürgert, optional Preisobergrenzen zu vereinbaren, weil es manchen Zeitgenossen den Spielspaß vereitelt hat, wenn sie einen Ramsch mit 31 verlieren und dann bei 3 Dopplern und 3 Schüssen dreimal Schneider (29/30/30 Augen der Gegenspieler), also 19,20 DM auszahlen mussten (historisch belegt, aus DM-Zeiten). Weils uns aber primär um den Spaß geht, einigen wir uns meist auf eine 4-EURO- Grenze (d.h. das gleiche Spiel hätte dem Betreffenden 8,20 DM gespart – ärgerlich wärs trotzdem gewesen) – man kann aber auch ohne Preisgrenze spielen, je nach Tischbesetzung ;-) –

Es soll a Abende geben, wo man an die Cent-Beträge (vgl. KG-LADO V.) einfach je um einen Nuller hinten ergänzt – oder gleich aus Cent Euro macht, je nach steigendem Alkoholpegel und/oder sinkendem Frauenanteil der Runde XD – Aber an der Grundpreisregel (vgl. KG-LADO V.) ändert sich nix...

Sappralott... ich glebb ich hätt jetzt alles. Mann, bin ich stolz auf mich. Was alles bei rauskommt, wemma Sonntagnachmittag nix bessers vorhat...

P.S. Mei Fraa sagt mir grad, DASS ich was BESSERES vorhabe... na dann...

Ab sofort spiel ich nur noch schwarzer Peter.

Hmmm... ein lokales Regelwerk für Schwarzer Peter... da müsserd ich etz aber einen neuen Fred aufmachen...

soolbrunzer, sei nicht böse, aber ihr macht eine
dokterarbeit aus dem spiel.

Find ich net (aber bös bin ich a net). Derlei Regeln gibts überall, es hat sich halt noch keiner die Müh gemacht, die aufzuschreiben... ich war selbst erstaunt, wieviel dabei rausgekommen is ;-) Aber irgendwie hast recht, ich sollt veröffentlichen... nou a bissl mehr Feldforschung - bloß: Welche Fakultät...?

:D vielleicht hätte sich vieles auch kürzer fassen lassen, aber ich neige halt a bissl zum Parlalismus...

ich habe grad tränen gelacht! vielen dank für diesen thread!

Es lebe die Standardregel. Btw bist du zufällig das deutsche Pendant zu Sheldon Cooper? ;-)

:D A Nerd scho irgendwie, ja... aber Sheldon Cooper wäre mit Sicherheit ein wesentlich besserer Schafkopfer als ich... doch wenns wenigstens Syl-vie Freud bereitet hat, hat sichs ja scho gelohnt...

bitte ned falsch verstehen, ich meinte das keineswegs despektierlich. ich bewundere die sagen wir mal genauigkeit und gründlichkeit deiner ausführungen - ein bisschen deiner präzision tät meinem spiel richtig gut. es ist dein tonfall, der dein regelwerk adelt, oder habe ich mich etwa verhört? ;)

ich finde euere kontra möglichkeiten und geldobergrenze merkwürdig.kommt ihr ohne schiedsrichter oder schlichter aus?

auch interessant wäre, wie in KG-LADO ein landrat gewählt wird:))

Syl-vie, vielen Dank für die Blumen. Ich hab's nicht als despektierlich empfunden^^

@Gasso: Klar, wie schon gesagt, geschrieben klingts immer a weng komisch, aber schreib mal die hier praktizierten Standardregeln mit Klopfen, Spielermittlung, Hierarchie, Berechnung etc. auf, dann wirds wohl auch so schwurbelich - soll ich ma? (War nur Spaß). Du denkst ja auch nicht über die Mensch-Ärger-Dich-Regeln nach, weil Du mit aufgewachsen bist. Insoweit gibts höchstens des übliche Wirtshausgegrantel - oder der Älteste am Tisch entscheidet ;-). Und ich hätt selbst net gedacht, dass es nun sooo umfangreich wird ;-)

@krattler: Landratswahl ist in KG umkompliziert wie fast überall in Bayern: Der Schwarze wirds. :/ Vielleicht sollten mich mal den Wahlmodus gestalten lassen?

also ich finds klasse, mal die regionalen unterschiede aufzuzeigen. in meiner ursprungsheimat wird nur der klassische lange gespielt, also ruf, solo, wenz - aber mit stock (wird nur bei rufspielen geteilt). darum hauts mich beim farbwenz und ramsch immer ausm gleis raus.

yau, mach ma aa dissertation draus :-)

kratti: die stecken alle ihre stimmzettel brav in die urne, dann werd die verschlossene urne in den bach gschmissn und der schwarze ist dann landrat ;-)
aber is gibt im norden auch schwarze gebiete: vechta / cloppenburg, so 60% cdu!

;))