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Schafkopf-Strategie: Sau schinden

Jetzt muss i mal a Diskussion anstoßen, weil langsam fang ich as Zweifeln an...

Ich rede hier übrigens von der kurzen Karten, es würde analog aber auch für die Lange gelten.

Es geht ums Sau schinden, also z.B. folgende Situation : Spieler 4 spuid a Herzsolo und sitzt hinten, Spieler 1 spuid Gras König aus. Spieler 2 hat nun Gras Sau, 10er und 9er, er weiß also, dass Spieler 3 und der Solospieler kein Gras mehr haben (oder er hat z.B. Gras Sau und 9er, weiß also, dass einer der beiden folgenden Spieler kein Gras mehr hat und vermutet, dass dies der Solospieler ist)...

Meiner Meinung nach - und seit über 30 Jahren von allen Schafkopfern in meinen realen Runden auch so gepflegt - muss Spieler 2 unbedingt seine Gras Sau reintun, auch wenns weh tut und sie gestochen wird, weil er sonst seinen nachfolgenden Mitspieler in Bedrängnis bringt. Der wird nämlich vermuten, dass wenn die Gras Sau noch nicht gefallen ist, diese beim Solospieler steht ==> er wird - wenn er einen Trumpf hat - stechen. Und somit einen Trumpf sinnlos verschwenden, weil der Solospieler nach ihm entweder drüber sticht, oder sich dann billig abspatzen kann.

So ist die Spielweise, wie ich Sie kenne.

Das mir hier dann Anfänger erzählen, dass sie in so einer Situation nicht die Sau reintun, weil "die ja dann gestochen wird", ist verzeihbar und ich versuch es ihnen dann zu erklären. In letzter Zeit kommen aber vermehrt immer wieder Spieler im 100.000 Punkte Bereich (also eigentlich keine Anfänger) daher, und meinen, dass das Sau schinden in so einer Situation das einzig Richtige ist... dann bin ich sprachlos und des ist mir jetzt in 5 Minuten 3 Mal mit verschiedenen Spielern passiert.

Ja steh ich jetzt total daneben und gibt es neue wissenschaftliche Erkenntnisse, dass Sauschinden jetzt doch ein strategischer Meisterzug ist ?

Ganz klar, im nachhinein betrachtet kann in einzelnen Fällen das Sau schinden schon mal ein Spiel gewonnen haben, aber das war dann eher Zufall und daraus kann man dann doch keine Regel ableiten bzw. man spielt es je nach Bauchgefühl einmal so, einmal anders rum.

In der Realität sind die meisten "gewinnbaren" Spiele durch Sauschinden verloren worden, weil der Mitspieler sinnlos einen Trumpf verschwendet, mit dem er oft später noch gestochen hätte.

Deshalb meine Meinung : Die Sau muss immer rein, weil ich meinen Mitspieler sonst verwirren würde.

Oder seh ich des falsch ?

Grundsätzlich ja, möchte aber einwerfen, dass es etwas vom Spielverlauf abhängt, was an Trümpfen gesamt da ist (kommen meine Freunde noch zum stechen) und was ich ganz wichtig finde, was habe selbst als Schmier da.

Wenn die Sau meine einzige Schmier ist und ich sonst nur Luschen hab, dann überleg ich mir auch, wann ich die reinwerfe, denn dann kann diese einzige Schmier entscheidend werden. Hab ich dagegen viel Schmier, kann ich die auch leichter setzen, weil alles bringe ich sowieso nicht nach Hause.

Ich gebe dir aber aus deiner Argumentation heraus recht und möchte noch anfügen:
Bei einem guten Solo hab ich im Schnitt max. zwei Stiche, die ich als Gegenspieler mache. Zwei Stich ZU Verfahren ist schwer = 60 Pkt.
Bei Glück oder mittleren Solo mache ich vielleicht einen dritten und dann ist es Ärgerlich, wenn auf dieser Grundlage verloren wird, denn man braucht pro Stich 20 Punkte.

Ich hoffe, ich konnte verständlich meinen Ansatz vermitteln.

Boro-01, Du sprichst mir aus dem Herzen.
Meiner Meinung nach gibt es nur selten einen wirklich guten Grund, seine Sau zu schinden. Viele Spieler hier – und auch live – sehen oft nur ihre eigenen Karten und versuchen nicht, sich die Karten und die Spielsituationen der Mitspieler oder gar den Ablauf des gesamten Spiels vorzustellen. Genau dies ist das Problem, und so schilderst Du den Fall ja auch. Dass Spieler so viel in ihre Überlegungen einbeziehen wie serave, passiert selten.
Ein anderes Problem, welches mit dem oberen Problem einhergeht und welches ich oft sehe, ist das Über-Taktieren. Eins von vielen Beispielen: Gegen einer Wenz hat einer meiner beiden Partner die beiden mittleren Unter. Auf den Eichel-Unter des Alleinspielers legt er den Gras-Unter anstelle seines kleineren Herz Unters. Warum??? Vermutlich, um den Alleinspieler zu bluffen oder zu verwirren, was natürlich nicht funktioniert – so blöd ist kein Spieler. Geblufft hat er nur seine beiden Mitspieler, die nun vermuten müssen, dass der Alleinspieler die beiden anderen Unter hält und ihre Spielweisen darauf ausrichten.
Meiner Erfahrung nach macht es aber nur dann Sinn, darüber am Tisch zu sprechen, wenn ein Spieler sich bewusst als lernwillig zu erkennen gibt.

100% bei Dir Boro!

Serave´s Argument lass ich nicht gelten.
Denn Spieler drei würde dann mit nem Schmiertrumpf reingehen, statt höher zu reizen oder wenn gut besetzt sogar durchzulassen.

Zudem kann dies einem evtl. gut besetzten Spieler 1 (wenn Spieler drei nur mit der Schmier reingeht) sogar einen Stich kosten.
Fazit: Lieber ein Stich und keine Schmier auf der Hand, als diesen Stich gar nicht zu machen.

Wenn der Spieler aber an 2 oder 3 sitzt, kann man durchaus mal (mit Bedacht) unter der Sau ziehen.

Zum Thema Wenz (JimBim): Wenn einer des (absichtlich) macht, versteh ich die Welt nicht mehr. Mehr fällt mir hierzu gar nicht ein...

und wenn die Ass meine einzige Schmier ist ? Rein oder nicht?

rein damit, wenn zwischen dir und dem spieler ein partner von dir sitzt...

Wenn ich die As DREIFACH habe: Vom Prinzip her immer As rein, da der Mitspieler hinter mir geblufft werden könnte - er sticht mit der Trumpf-Vollen statt höher reinzugehen; bzw statt wegzubleiben ( wenn er z.B. gute Trümpfe hat und lieber lauert ) wäre er "gezwungen" zu stechen, da er die As beim Spieler vermutet.
Außerdem könnte der Spieler an 4 klein wegbleiben und lacht sich kaputt, wo er sonst vielleicht auf einer faulen 10 sitzenbliebe.
Es gibt m.E. nur ganz wenige Situationen, wo es sinnvoll sein kann, klein zu bleiben ( ich hab den Alten und keine Schmier mehr, so daß ich As nachbringen möchte; ich hab nur Luschen sonst ... ).
Meine Meinung: As rein ist zu 98% richtig und zwingend

nicht umsonst gibts den ausdruck "sauschinder" als schimpfwort!

Don't fear the Schmier.

Es gilt so ungefähr auch für die lange Karte, und das Problem gibt es da auch, und ich schließe mich allen Vorrednern an;-)

^..^

ui das passende picto zum thema

schön, daß dies alle angesprochen haben:
egal welche Regel und wie begründet sie auch sein mag - es gibt immer auch mal Fälle, wo es besser ist, nicht nach der Regel zu spielen

In den besprochenen Fällen: nein.

dann spiel i a solo ohne 4 und du kommst raus, der zweite spielt wie du und legt auch kei sau rein - kann i toll mit meiner trumpf sau stechn weil der 4. muss ja die fehlende sau ham.

schad, gegen nen Anfänger hätt i s vielleicht verloren, weil i ned weiß, was für einen müll der spielt und i mit nem unter rein muss.

recht hast dann scho, aber gwonnen ned :-)

in deinem Beispiel sitzt der Spieler aber an drei. Wie ich oben geschrieben habe, kann man hier, genau aus diesen Grund, schon mal drunter bleiben. Das nein ohne Ausnahme bezieht sich auf Spieler an vier. Denke, da fällt Dir kein Gegenbeispiel ein...

Doch, wenn schon eine Fehl gefunden wurde, ich trumpflos glücklich bin und nur noch die Sau als Schmier habe.
In solchen Fällen lasse ich mir dann Zeit mit der Karte, damit mein Mitspieler stutzig wird.

hm, gehört das "zeitlassen" zu den erlaubten methoden? des hat ja dann schon einen touch von "mucken"....

^^

genau aufpassen:
1-3 sek: ich schinde die sau
4-8 sek: ich schinde sau und 10er
9-15 sek: ich schinde sau, 10er und könig...
des hätt doch was:-))

@glubberer:
als 2., wenn ich den Alten "blank" hab, und neben der Gras Sau nur luschen und vielleicht einen blanken 10er anderer Farbe, leg ich die Sau auch nicht rein.... auch wenn der Solist am Ende sitzt - soll er sich abspatzen, aber garantiert zwei Runden weiter muss ich stechen und kann ihn dann mächtig "treiben".

Geht er dann klein rein, bekommen wir die Sau, ansonsten kostet es ihn viel und der Spieler hintendran kann sich sogar noch abspatzen.

Zudem "schütze" ich meinen 10er, weil vielleicht die Farbe möglichst erst am Ende kommt.

denn wenn ich kaum einen Trumpf hab, hat ein anderer vermutlich umso mehr, aber vielleicht nur kleinere, die hoch werden müssen

Wenn der Spieler dann auch noch Trumpf 21 hat - schwierig für ihn, denn die muss er auch erst mal unterbringen. Durch Abspatzen: Chance vertan und dann muss man ihn nur noch "Treiben" bis zum Schluss.

Und dann gibts am Ende schöne fette Stiche - das wird ein Fest - lol :-)

(... und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute^^ ...)

...schmunzel - klar bin auch der meinung bei den geschilderten situationen immer sau rein... aber...

@kamikaze - wenn ich trumpf 21 und viele ober hab... spiel ich an geier^^ ;))

ansonsten - ruhig weiter mit der beispielsammlung - macht spass diese zu lesen :)

jo geier gibts ja auch noch ... hab aber bisher blos an konservative Tisch gspielt, denn sonst hätt i mich bei dem spiel doch ärgern müssen, dass i wg. dem blöden Alten kein bettel spielen konnt :-)
(oder geht geier vor ? - is scho zu lang her...)

Bettel ist normalerweise das kleinste Einzelspiel, wenn man nix anderes ausmacht.

^..^