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Tratsch: gesundheitsreform aber richtig!!

sodala, ich mach jetzt mal nen neuen thread auf, dann können wir anstatt im nazi usw... thread an geeigneter stelle weiter diskutieren

und nu kopier ich hier noch alles rein, was zu dem thema bislang aufgelaufen ist.

das, glaub ich, war der anfang:

Soolbrunzer vor ungefähr 22 StundenAaaaalso, Faxe...Zunächst einmal: "Soziale Marktwirtschaft" bedeutet zunächst einmal, dass wir akzeptieren, dass es eine auf Wettbewerb in einem so genannten freien Markt basierende Volswirtschaft gibt; allerdings unter der Prämisse, dass es verschiedene Räume gibt, die von diesem Wettbewerb notwendigerweise ausgenommen sein müssen (wie etwa das Gesundheits- oder Bildungswesen). Zudem nimmt sich der Staat heraus, den Wettbewerb zu reglementieren, wie etwa durch Stärkung der Arbeitnehmerrechte.Nun, das Gesundheitswesen hat sich durch die Einführung des DRG-Systems 2004 erheblich gewandelt, wir haben nun ein deutlich wettbewerbsorientierteres System, mit der Folge einer so genannten "Rationalisierung". Wie auch immer man das bewerten will: Wenn in einem Krankenhaus das oberste Ziel nicht mehr eine bestmögliche Gesundheitsversorgung, sondern die Gewinnmaximierung für die Eigentümer ist, welche die Überforderung (man könnte auch sagen Ausbeutung, aber das wäre wieder zu marxistisch) bewusst in Kauf nimmt (denn der überforderte Mitarbeiter kann sich auf dem "freien" Arbeitsmarkt ja gerne einen anderen Arbeitgeber suchen), dann nenne ich das unsozial.

faxefaxe vor ungefähr 22 StundenGlaubst Du, dass sich die medizinische Versorgung der Bevölkerung (weil zB nicht mehr verfügbar oder bezahlbar) verschlechtert hat? (Du argumentierst offenbar mit Deutschland, in den USA gab es unter Obama Fortschritte)?

Soolbrunzer vor ungefähr 22 Stunden@Faxe zum Thema medizinische Versorgung nur ein sehr persönliches Beispiel (ich arbeite selbst im Gesundheitswesen und könnte Dir noch etliche nennen):Meine Oma starb vor drei Jahren im Alter von 92 Jahren. Ein Jahr zuvor war sie gestürzt, im lokalen Kreiskrankenhaus stellte man eine Hirnblutung fest und wollte sie in das nächstgelegene gegeignete Krankenhaus mit neurochirugischer Versorgung verlegen. Diese Klinik eines privaten Trägers lehnte die Behandlung ab, wegen dem hohen Alter der Patientin. Sie wurde daraufhin in ein zwar weiter entferntes, aber kommunal getragenes Krankenhaus der gleichen Versorgungsstufe verlegt, wo man sie erfolgreich behandelte, einer Reha zuführte und meine Oma lebte noch ein ganzes Jahr bei in ihrem Alter hervoragender Lebensqualität und hatte noch einige unvergessliche Momente mit ihren Urenkeln, meinen Kindern.Es waren keine medizinischen Kriterien, allein das hohe Alter, übersetzt: wirtschaftliche Kriterien begründeten die Ablehnung der Behandlung, denn natürlich sind bei einem alten Menschen die Aussichten auf Genesung bei einer Hirnblutung gering, die Komplikationschancen hoch. Meineid des Hippokrates ist auch hier noch geschmeichelt, wie der gute Herr Schramm sagen würde. Ich bin kein Verfechter von Maximaltherapie auf Teufel komm raus, aber die Diagnostik im kommunalen Krankenhaus ergab eine sehr gute Genesungsprognose und entsprechend wurden die notwendigen medizinischen Schritte eingeleitet.Das nenne ich schlechtere medizinische Versorgung der Bevölkerung und ich möchte mir nicht ausmalen, was alles passiert, wenn diese Gewinnmaximierer alle Kliniken ihr eigen nennen würden. Dennoch: Der unsägliche Wettbewerb zwingt kommunale wie kirchliche Träger, dieses perfide Spiel zu einem gewissen Grad mitzuspielen.Und nicht nur die Patient/innen haben darunter zu leiden, nicht zuletzt das Personal trägt diese Rationalisierung; Burnout und psychosomatische Erkrankungen nehmen zu bei abnehmender gesellschaflicher Anerkennung und Gehalt.Die Versorgung ist schlechter, Punkt.

Sooli:
Faxe, zum Thema "Pflegenden gehts schlechter" siehe u.a. hier:
https://www.mig.tu-berlin.de/fileadmin/a38331600/2011.publications/2011_zander_Pflegezeitschrift_Burnout.pdfSoolbrunzer vor ungefähr 21 Stunden

Und Faxe, zum Thema "Blutige Entlassungen" guggsdu u.a. hier:http://www.zeit.de/2012/21/Klinik-Gesundheitoder hier:http://www1.wdr.de/fernsehen/wissen/quarks/sendungen/krankenhausnebenwirkungen106.html

Und Faxe, zum Thema "Blutige Entlassungen" guggsdu u.a. hier:http://www.zeit.de/2012/21/Klinik-Gesundheitoder hier:http://www1.wdr.de/fernsehen/wissen/quarks/sendungen/krankenhausnebenwirkungen106.html

Soizhaferl vor ungefähr 6 Stunden@ gesundheit, soziale marktwirtschaft usw: Ich würde sagen, dass das Gesamtniveau an medizinischer Versorgung, an materiellen Lebensumständen usw. gestiegen ist, also auch die "Ärmsten" heute sind so gesehen besser dran als die "Ärmsten" vor 30 Jahren, weil technischer Fortschritt das ermöglicht hat.
Das ist auch erstmal schön, Punkt.

mamaente vor ungefähr 5 Stunden Zunächst mal muss festgestellt werden, dass wir hier in Deutschland alle gerne jammern und zwar auf höchstem Niveau. Es geht uns gut. Im Verhältnis zur Bevölkerung der allermeisten Staaten geht es uns geradezu blendend. Das sollte man immer im Auge behalten und dankbar sein.Aber das bedeutet natürlich nicht, dass es nicht auch hier benachteiligte MitbürgerInnen gibt.ich wünsche mir ein echtes solidarisches System sowohl für die Kranken- als auch für die Sozialversicherung. Eines in das sämtliche Arbeitgeber- und nehmer sowie alle Freiberufler einzahlen. Darüber hinaus, darf sich ja jeder gerne noch privat besser absichern, aber zunächstmal bittschön alle ins gleiche system.@faxe: danke für den Artikel. Lesenswert auch die Fakten über die Flüchtlinge

Mei, das Gesundheitssystem wird dank medizinischer Fortschritte immer teurer, gleichzeitig werden die Leute auch deshalb immer älter (und im Alter wird dann die Gesundheitsversorgung immer teurer).

Mehr als eine Basisversorgung zu bezahlbaren Kassenpreisen ist wahrscheinlich nicht drin.

pfusch nu mal nicht dazwischen du faxenmacher.
ich bin noch nicht fertig mit meiner fleißarbeit!

Soolbrunzer vor ungefähr 4 Stundenzuletzt bearbeitet am 23. Februar 2016, um 11:18Mamaente: "ich wünsche mir ein echtes solidarisches System sowohl für die Kranken- als auch für die Sozialversicherung. Eines in das sämtliche Arbeitgeber- und nehmer sowie alle Freiberufler einzahlen. Darüber hinaus, darf sich ja jeder gerne noch privat besser absichern, aber zunächstmal bittschön alle ins gleiche system."Bereits die Option einer "privat besseren Absicherung" lässt mich schon wieder erschaudern... Wenn wir also schon Visionen haben, warum erdenken wir uns nicht ein öffentliches Gesundheitssystem, das allein nach medizinischen Kriterien den Behandlungs- und Hilfsmittelbedarf deckt? Wohlhabendere Menschen sind per se bereits "privat besser abgesichert", um sich "Schnickschnack" leisten zu können, wie es Norbert Blüm einst formulierte...Aber hierzu hatte ich mich bereits ausführlich artikuliert, wenn ein Querverweis erlaubt ist, dann bitte hier:https://www.sauspiel.de/forum/diskussionen/11...
(vorletzter Post, ganz runterscrollen)oder hier:https://www.sauspiel.de/forum/diskussionen/11...
(Post Nr. 17 und ff von mir)Herrlich, ich wollte schon immer mit Selbstreferenzen arbeiten...Was mich nun aber brennend interessieren würde - könnte mir mal bitte jemand konkret die "Sorgen" unserer "besorgten" Mitbürger im Hinblick auf die so genannte "Islamisierung" bzw. der so genannten "Flüchtlingskrise" in einer Stichwortliste zusammenfassen, damit wir mal darüber diskutieren können... ganz ehrlich, ich hab diese "Sorgen" nämlich nie in ihrer Gänze erfasst...außer vielleicht einem allgemeinen Gebrabbel über "Kriminalität", "des sind zu viele, wir sind überfordert" oder "ich will auch in Zukunft auf einen Weihnachtsmarkt, nicht auf einen Wintermarkt gehen"... ich will das jetzt nicht ins Lächerliche ziehen, aber vielmehr als Ressentiments gegenüber Fremden und Fremdem hab ich bislang wirklich nicht wahrgenommen.Also?krattler vor ungefähr 4 Stundenzuletzt bearbeitet am 23. Februar 2016, um 11:23andersrum wird ein schuh draus, sooli......
warum sollten alle in ein schlecht funktionierendes system einzahlen, was unterm strich geschätzte 50% an verwaltungskosten verschlingt, wenns bei den privaten gerade mal 6% sind?Soolbrunzer vor ungefähr 3 StundenBitte die Links beachten^^, Verwaltungsaufwand minimiert sich bereits durch Auflösung der Krankenkassen als Kostenfaktor^^

krattler vor ungefähr 3 Stundennö. weil deine zahlen leider so nicht stimmen. hast da die angestellten der kassenärztlichen vereinigungen mitberechnet?

Pinin vor ungefähr einer Stunde

@mamaente, krattler

Das Problem sind doch weniger die Privatversicherten an sich, sondern deren Familien.
Beispiel: Ein Selbstständiger ist privatversichert und stellt seine Frau versicherungpflichtig an. Die Kinder sind dann auch über die Frau, in der gesetzlichen Versichert.

faxefaxe vor ungefähr einer Stunde

Also, ich bin als Hauptverdiener in der Privaten, meine Frau gesetzlich. Kinder mussten in die Private. Keine gute Kombi.

krattler vor 44 Minuten

die bessere kombi für deine kinder, glaubs mir;)faxefaxe vor 38 Minuten

Faxe:

da hast Du wahrscheinlich recht :-) dann vielleicht: teure Kombi. Denn auch die gesetzliche meiner Frau ist teuer, dafür dass sie wenig verdient.

krattler vor 27 Minuten

siehst du! und dann überlegst mal, was sie kriegt, wenn sie was braucht......
la roba buona costa, wie meine freunde aus turin sagen;)

welche aufgaben sollen wir hier bei sauspiel eigentlich noch für die gewählte regierung lösen?
;)

habe fertig, jetzt könnt ihr weitermachen!

ich würde da mal keine ausschließen wollen^^

In welchen Thread kommen denn Kassenlösungen für Flüchtlinge?

du sollst ne bessere gesundheitsversorgung erfinden und nicht die dinge noch komplizieren!^^

also, die ersten 15 monate tragen die behandlungskosten die kommunen, erst ab dann wirds komplizierter.....

Und die syrischen und irakischen Männer sind doch recht wehleidig :-)

das scheint mir doch ne einende komponente zwischen männern weltweit zu sein....

das stimmt, aber die übertreffen meine eigene Hypochondrie teilweise noch deutlich.

tipp aus der praxis: die unterscheiden sich kaum von frauen der gleichen herkunft.....

Also wenn schon Kopie-und-Paste, dann bitte ganz, wadde ma, hier Teil 1:

Soolbrunzer
24. März 2015, um 16:59
[...]
Ich lass‘ jetzt ma die Islamisierung außen vor und widme mich generell dem Problem der aufgehenden sozialen Schere, denn wie die Ente bereits ausführte, ist das keine Frage der Migration, sondern eine der reduzierten sozialen Chancen.

Haste was, biste was, haste Chancen.
Haste nix, biste nix, haste kaum Chancen.

Für die Migration symptomatisch ist tendenziell die „Haste nix, biste nix“-Kategorie (von beobachtbaren Ausnahmen mal abgesehen – zumal die wohlhabenden Migranten sich wohl weniger in Berlin-Neukölln ansiedeln).

Wie Luhmann festgestellt hat, lassen sich soziale Systeme nicht im eigentlichen Sinne steuern, aber zumindest kann man versuchen, der Entwicklung über bestimmte Ziele möglichst begünstigende Rahmenbedingungen auf die Sprünge zu helfen.

Der Schlüssel hierzu wäre die Herstellung von Chancengleichheit. Chancengleichheit würde ich erreichen wollen über:

A) ein allen gleichermaßen und frei zugängliches entprivatisiertes staatliches Bildungssystem,

B) ein allen gleichermaßen und frei zugängliches entprivatisiertes staatliches Gesundheitssystem,

C) ein allen gleichermaßen und frei zugängliches entprivatisiertes staatliches Sozialarbeitsystem [...]

D) ein allen gleichermaßen und frei zugängliches entprivatisiertes staatliches Arbeitsvermittlungssystem (Wallraff lässt grüßen),

alle vier ausschließlich steuerfinanziert.

Das ganze flankiert von einer Steuerreform, welche bei den so genannten „Leistungsträgern“ auch mal Leistung einfordert (bei New Deal Act des alten Roosevelt hat das auch funktioniert), um die Systeme A, B, C und D auch mit angemessenen personellen und strukturellen Mitteln auszustatten und die professionellen Akteure auch angemessen zu entlohnen – könnte sich über daraus resultierende zusätzliche Steuereinnahmen und steigende Binnennachfrage durchaus rechnen.

Dass bei meinen Forderungen alle Rechtsliberalen wieder reflexartig „Kommunismus!“ schreien werden, ist mir auch klar, aber neben den beschriebenen Themenkomplexen wäre ich mehr oder weniger komplett liberal – abgesehen von einem gesetzlichen Mindestlohn; hier gibt es sicherlich noch Nachbesserungsbedarf (was die Schlupflöcher für Arbeitgeber sowie spezielle Härten für einzelne Berufsgruppen betrifft).

[...]

Und dann spezifisch für's Gesundheitswesen hier Teil 2:

Soolbrunzer
24. März 2015, um 20:41

[...]
Ich stell’ mir das Gesundheitswesen als „Public Health System“ vor, ein allen kostenfrei zugängliches, weil steuerfinanziertes Versorgungssystem ohne Privatanbieter mit Gewinnmaximierungsinteressen.

„Gesundheit ist unser höchstes Gut“

hört man immer in Sonntagsreden; ganz genau und deshalb darf da bei NIEMANDEM gespart oder verzögert werden (wie es eben leider Gottes gängige Praxis ist).

Das bedeutet die jeweils bestmögliche und allein indikationsbezogene Diagnostik, Therapie, Rehabilitation, Palliation, Information und auch Unterbringung (z.B. halte ich Einzelzimmer im Hinblick auf eine schnelle Genesung für alle Patienten für unbedingt notwendig als Rückzugs- und Ruhezone gegenüber „öffentlichen“ Treffpunkten für die auch notwendige Begegnung und soziale Kontakte) für JEDEN MENSCHEN, unabhängig von seiner Zahlungsfähigkeit.

Das allerdings ist unvereinbar mit dem Gewinnmaximierungsstreben einer „freien Wirtschaft“: Die Gesundheitsversorgung in maximaler Qualität muss öffentliches Gut werden (wie z.B. auch Straßen ganz selbstverständlich öffentliches Gut sind – zumindest noch). Leider ist der Trend nach wie vor gegensätzlich – Wirtschaftlichkeit und Privatisierung im Zuge des Seehoferschen DRG-Systems haben die Qualität nicht verbessert (eher im Gegenteil) und auch die Kosten nicht verringert.

[Kleiner Exkurs noch zu der so genannten „Kostenexplosion“ im Gesundheitswesen, deretwegen sich die Politik einstens genötigt sah, diesen verhängnisvollen Weg einzuschlagen: Seit den 50er Jahren sind rein an den Beträgen festgemacht natürlich die Kosten „explodiert“ – was allerdings eher ein reines Inflationsphänomen ist: Der Anteil der volkswirtschaftlichen Gesundheitskosten am (ebenfalls gewachsenen) BIP liegt seit besagten 50er Jahren nahezu konstant bei etwa 10%. Ergo: Kostenexpolsion ist eine Verschleierung der Tatsachen – wäre nur noch zu klären, zu wessen Nutzen.]

Das kann man als Kommunismus bezeichnen – „wer mehr zahlt, hat mehr Anspruch“ kann und darf im Gesundheitswesen m.E. jedoch nicht zur Anwendung kommen, das ist m.E. menschenverachtend (ganz nebenbei denke ich auch, dass sich eine derartige Umgestaltung volkswirtschaftlich vermutlich nivellieren würde: Weniger Folgekosten für verpfuschte OPs, frühzeitige Erkennung von Erkrankungen, die später noch teuere Therapien vermeidet, geringere Ausfallkosten in der Arbeitswelt, etc.).

Die Ergebnisse sozialepidemiologischer Studien können auf die etwas plakativ vereinfachte Formel reduziert werden:
„Je geringer das Einkommen, umso schlechter der Gesundheitsstatus.“

Im Sinne einer Chancengleichheit MUSS das geändert werden, auch wenn es kommunistisch anmuten mag.

Analog auch auf die anderen Systeme mehr oder weniger übersetzbar... gerade was das Bildungssystem betrifft...

Das ist schlicht nicht bezahlbar. Wenn Du den "Luxus" privater Kassen (Einzelzimmer, alternative Verfahren, Chefarztbehandlung, etc) allen zugute kommen lassen würdest, würden vor allem die Ärrmeren darunter leiden.

Zitat: "also, die ersten 15 monate tragen die behandlungskosten die kommunen, erst ab dann wirds komplizierter....."

Stimmt nicht unbedingt :-).

Innenansichten aus der Aufnahme einer Kinderklinik:
Wird oft gleich schon kompliziert, da die Flüchtlinge von Erstaufnahmeeinrichtung zu Erstaufnahmeeinrichtung zu kommunaler Sammelstelle und dann weitervermittelt werden. Wann ob und wie oft und unter welchen Namen (oft mehrere meist oft auch nur Schreibfehler bei Erfassung; Das Geburtsdatum stimmt oft auch nicht oder wird teils mit 01.01.80 dann mit 01.07.80 (da stimmt dann schon mal der Monat) und schließlich mit 13.07.80 richtig angegeben.

Anfangs kamen die Flüchtlinge teils ohne jegliche Papiere von der Sammelstelle (die waren dort im Spind). Das hat sich jetzt eingependelt dank der freiwilligen Helfer/Dolmetscher, jeder hat wenigstens ihrgendwelche Zettel dabei und ist es auch nur der Ausweis damit er Essen bekommt in der Einrichtung). Damit das Krankenhaus die Behandlung bezahlt bekommt muss es die staatliche Stelle erwischen, bei der der Flüchtling zur Zeit der Behandlung registriert war. Teilweise erklärte die dann den Flüchtling nicht zu kennen (da Name und Geb.datum abweichen). Zeitweise wurde fast jedem Flüchtlingsfall hinterher telefoniert da das schicken eines Kostenübernahmeantrags oft nicht reichte (zu hohe Quote die falsche staatliche Stelle anzufaxen).

[Lustig dabei sind dann so Fälle wie die für Flüchtlinge zuständige Abteilung der Sozialbehörde eines Landkreises, die über den Jahreswechsel mal 4-6 Wochen zumacht, da sie umzieht und in der Zeit nur über eine Notfallnummer erreichbar ist (und die zuständige Bearbeiterin wäre krank laut Telefonzentrale; wär ich wahrscheinlich auch, wenn ich die Arbeit einer ganzen Arbeitsgruppe in der Hochzeit der Flüchtlingsfälle machen sollte :-)); oder der der Flüchtlingsmutter, deren Kind auf der Fahrt von einer Einrichtung zur nächsten krank wird und bei uns landet. Quasi zwischen den Zuständigkeitswelten. Normalerweise verzichtet das Krankenhaus bei ambulanten Fällen (und somit niedrigen Beträgen) hier auf eine Abrechnung, da es hier ein schwererer Fall war, wurde der Bürgermeister eingeschaltet und so eine Lösung gesucht.]

Unzurechende Erfassung und Behördenkompetenzgerangel waren die größten Probleme. Jetzt wird versucht angesichts der Krise die größten Fehler zu beseitigen. Zwar zu spät und zu langsam aber wenigstens die Richtung stimmt.
(Hab letzte Woche den ersten der hochgelobten vorläufigen zentralen Passersätze für Flüchtlinge und Asylbewerber gesehen (es gibt sie also wirklich nur hat sie im Moment noch so geschätzt 2% der Flüchtlinge).