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Tratsch: Kreditkrisenschock

In der Hoffnung, dass sich unter den Abermillionen von Sauspielern vielleicht auch der ein oder andere volkswirtschaftlich bewanderte kluge Kopf befindet, erlaube ich mir einfach mal, eine völlig schafkopf-fremde Frage zu stellen, den derzeitgigen "Kreditkrisenschock" und insbesondere den gestrigen Einbruch der Bear Stearns Aktie betreffend.

Wenn ich das annähernd richtig verstanden habe, hat sich rein faktisch am inneren Wert (ich glaube, das nennt man so??) des Unternehmens innerhalb eines Tages doch nichts geändert. Wie kann es also sein, dass eine Aktie innerhalb eines Tages 90 (!!) Prozent ihres Börsenwertes verliert? Ich hab von Börse so gut wie keine Ahnung (wozu auch? Wird ja eh alles hier verzockt), aber ich versuche, mir solche Phänomene immer irgendwie mit Kuchenstücken, "mein Hab und Gut" oder sonst welchen Hilfsmitteln zu erklären. Und wenn ich mal davon ausgehe, dass ich ein Auto habe, das ich nicht mehr benötige und das an Wert verliert, dann werde ich natürlich zunächst versuchen, dieses Auto möglichst schnell und mit möglichst wenig Verlust zu verkaufen. Wenn ich aber sehe, dass dieses Auto innerhalb eines Tages rasant und dramatisch an Wert verliert, dann werde ich doch irgendwann (und mit Sicherheit VOR einem 90%igen Verlust!) die Reissleine ziehen und die Kiste lieber selbst zu Schrott fahren, anstatt sie quasi zu verschenken.

Kurz und gut: Ein 90%iger Verlust innerhalb eines Tages ist mir ein völlig schleierhaftes Phänomen. Könnt Ihr mich bitte aufklären?

Danke.

Nein, verzeih....

Extreme Kurzfassung:
Die Bank war praktisch insolvent. Sie hat viel mit Wertpapieren am Immobilienmarkt spekuliert, der in den USA in der Krise steckt. Deswegen wurde sie verkauft. Der niedrige Wert ergibt sich, da die Investoren ihr Geld von so einer Anstalt natürlich abziehen.
Zu einer längeren Erklärung ist es mir zu spät.

"Kurz und gut: Ein 90%iger Verlust innerhalb eines Tages ist mir ein völlig schleierhaftes Phänomen. Könnt Ihr mich bitte aufklären?"
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Ganz einfach: An der Börse wird die Zukunft gehandelt, nicht die Gegenwart.

Und warum verliert mein MK All-in-One Dachfonds innerhalb von 3 Monate 25% seines Werts? Verdammt...

Auch ganz einfach: Der wird für die ständigen Server-Ausfälle verantwortlich gemacht!

@stoffel: Aber wie kann es sein, dass börsennotierte Unternehmen, die ja einer Auskunftspflicht unterliegen, unbehelligt Geschäfte machen, die letztlich zum Bankrott führen? Und mal abgesehen davon: Dass sich diese Bank verspekuliert hat, war angeblich bekannt. Das ist den Investoren dann ja nicht erst seit gestern bewusst. Wieso warten dann so viele Leute bis zum bitteren Ende ab, anstatt sich schon ein paar Tage (Wochen?) vorher noch ein bisschen gewinnbringender von der Aktie zu trennen?

Und das mit der Zukunft: Ja, hab ich schon des öfteren gehört. Leuchtet mir auch nicht 100%ig ein, aber das würde jetzt zu weit führen.

"Aber wie kann es sein, dass börsennotierte Unternehmen, die ja einer Auskunftspflicht unterliegen, unbehelligt Geschäfte machen, die letztlich zum Bankrott führen?"

wie, warum, weshalb ist hier vollkommen egal. es zählen zwei dinge:

1. die (handels-)kontrollmöglichkeiten von börsenaufsicht oder aufsichtsräten sind vielleicht da, werden aber (offentsichtlich) nur theoretisch genutzt.
2. auf ein unternehmen das mächtig baden geht, kommen 10 andere, die genau davon leben und ihren aktionären heißbegehrte dividenen oder ähnliche ausschüttungen zahlen.

@Kitty: Das heisst aber doch auch, dass noch 75% aller Anteilshaber an die Admins glauben. Gibt das nicht Anlass zur Hoffnung?

Nein Stryker, das ist eben NICHT egal! Mir ist es nicht egal, wenn ich davon ausgehen muss, dass ich hier nach bestem Wissen und Gewissen VERARSCHT werde. Und ich würde mir wünschen, dass die Leute sich nicht immer mit "es ist halt so und punkt" abfinden bzw. sich mal die Mühe machen würden, die Dinge zu HINTERFRAGEN.

Ihr macht mir Angst!
Ich klapp mir meinen rosa Polo-Kragen hoch und geh BWL studieren...

Und vergiss bitte nicht, das Jackett zuzuknöpfen, wenn Du den Audimax betrittst, SCHATZ!

und zum thema zukunft... eigentlich ganz logisch und auch nachvollziehbar. man investiert seine sauer verdienten 10 millionen in ein unternehmen, WEIL MAN SICH DAVON VERSPRICHT(!!), dass es in naher/mittelfristiger/langer zukunft einen gewinn erwirtschaftet, der sich im aktienkurs niederschlägt.

somit sind (fast) sämtliche investitionen auf prognosen, hoffnungen und insiderinformationen zurückzuführen. oder auf extreme reaktionsschnelle und einen guten, telefonbanker. wenn ich am 11.09.01 das kapital und das wissen gehabt hätte, wäre um 09:51 mein anruf an die bank rausgegangen und ich hätte restlos all mein geld auf "dax/dow jones"-fällt gesetzt. denn da waren in minuten millionen zu machen... auch wenn es makaber ist.

und mit wissen meine ich nicht zu wissen was da grad passiert (ich habs live auf cnn gesehen^^), sondern das wissen um die möglichkeiten, sein geld auf alles mögliche zu setzen.......

Und schon wieder mal bin ich überfordert... :-(

Jetzt hat mein rosa Polo-Kragen gleich auch noch Erektionsschwierigkeiten...

naja, es ist so, dass d auf steigende oder auch fallende indizes setzen kannst. zb 5€ pro punkt (nach oben oder unten musst du entscheiden) - ich kann es dir nicht haarklein erklären, aber so hat man die möglichkeit mit wenig grundeinsatz einen ENORMEN gewinn (oder auch verlust, wenn man sich verrechnet) einzufahren.

und an 9/11 waren zwei dinge klar! zum einen, dass der amerikaner an sich mal eben in der telefonzelle verschwindet und im kampfanzug wieder rauskommt, und dass die börsen weltweit (allen voran der dow jones) eine extrem lang nicht mehr gesehene talfahrt vor sich haben/hatten.

also - alles was da ist auf "dow fällt" und einen oder zwei tage warten zum kassieren.

Nochmal in Kurzfassung, die längere Version gibt's im Wirtschaftsteil deiner Lieblings-(broadsheet-)Tageszeitung:

Die amerikanische Börsenaufsicht reagiert in der Regel erst, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Die betroffenen Firmen bemühen sich aber natürlich auch die Geschäfte bzw. deren Risiken zu verschleiern. Das ist in Deutschland übrigens nicht anders, deswegen wird es vermutlich hier ebenfalls noch einige "Überraschungen" geben. Wobei sich die deutschen Banken nicht so stark auf dem Subprime-Markt engagiert haben wie die amerikanischen.

Die zweite Frage mal "einfach" beantwortet: Die Anteilseigner machen dieses "Spiel" mit risikoreichen Geschäften mit und sind indirekt deren Ursache. Wo sollen die hohen Gewinne, die die Banken jedes Quartal verkünden, denn sonst herkommen? Außerdem ist das nicht "soooo" absehbar, wie es vielleicht für den Laien aussieht. Solange die Bank sich Geld leihen kann, um kurzfristige Forderungen zu bedienen, ist alles in Ordnung. Aber sobald wie im Fall von Bear Sterns Gerüchte über Liquiditätsprobleme aufkommen, kriegt die Bank kein Geld mehr von anderen Banken geliehen und ist praktisch "insolvent". Wenn sich die Banken gegenseitig kein Geld mehr leihen, weil selbst sie nicht mehr die Geschäfte der anderen Banken beurteilen können, steht das gesamte Bankensystem vor dem Kollaps. Deshalb pumpen die Zentralbanken ständig Geld auf den Markt.
Ich hoffe, ich konnte ein bisschen weiterhelfen. Gute Nacht!

Tja, da war ich zu langsam..

Julia, bitte sperr den sideburns über Nacht in den Rätsel-Thread, sonst sieht der hier morgen früh schlimm aus.. :-)))

Kleiner Tipp vom Chef-Broker der Sideburnianer:

Alles für Zigaretten, Autos, Alkohol und Frauen ausgeben!

Den Rest verprassen!

(A huge toast to George Best)

Ich hab's geahnt.. :D

Ich kenne nur Wal*Mart, Subprime höre ich hier zum ersten mal ;-)

Aber mal im Ernst: Das klingt nachvollziehbar. Leider. Verdammte Gier....

Und dank Dir übrigens :-)

na da toaste ich aber doch gleich mit!!

Sideburns!!! ES REICHT!!!!